Von einem, der verschwand (Teil 6).

Der Beweis ::

Da ich mich nach dem vorangegangenen Temperaturvorstoß immer noch in einer kreislaufstabilisierenden Phase befand tat mir das nicht gut. Es war ja nicht so, dass auf einmal das plätschernde Nass urplötzlich verdunstete und ein geformtes Bachbett hinterließ. Da war nichts mehr, als hätte es ihn nie gegeben. Menschen können, dürfen oder sollen verschwinden, aber ganze Bäche? Mir ist in meiner aktiven Erlebenslaufbahn noch kein Fall von Bachverschwinden vorgekommen. Das war die Premiere.

Schnell realisierte ich diese Besonderheit und zückte mein Allzweckgerät mit Fernsprechfunktion. Die Kamera bildete das Nichtvorhandensein sowie die Mühle und den Mann blitzsauber ab, bis ich durch einen starken Schub am Fußgelenk strauchelte und das Gleichgewicht verlor. Mein Gefährt hatte sich gelöstich, um zu mir zu rutschen, ohne zu bremsen. Das gelang ihm dann auch vortrefflich. Nachdem ich mich wieder aufrappelte hob ich das Smartphone auf, den Matsch wischte ich aus dessen Leuchtfeld und erkannte erleichtert, daß mich das geschossene Beweisbild heiter anstrahlte. Nun wollte ich den genauen Hergang dieser unbemannten Abfahrt genauer untersuchen und sah den kurzen Schlitterweg nach oben. Da stand er dann auch, Redman!
lochstein
Ich war soweit: an Atmen in jedwede Richtung war nicht mehr zu denken, mein Gesicht schien zu glühen, mein ganzer Körper schmerzte vor Erlebnisstarre und ich wusste nicht mehr ein noch aus. Der Mann in Rot stand mit dem Rücken zu mir und schien im Begriff zu sein, den Rest zum Einzelpfad zu ersteigen. Dann begann mein Magen zu pumpen. Ich versuchte jedoch, den Würgereiz zu kontrollieren, indem ich konzentriert und ruhig atmend auf das gestürzte Gefährt schauen wollte. Kurze Zeit später hatte ich es dann geschafft.

Ich richtete mich schnell auf, um das Mannwesen nun endgültig zu Rede zur stellen und stürzte rücklings, vermutlich unterzuckert, erneut. Ich versuchte, den Aufprall durch meine Ellenbogen zu mindern und siehe da, ich schaffte es. Neben meinem Gefährt schlug ich dann sanft auf. Das dann schnell aufkommende Kältegefühl ließ meine Adrenalinausschüttung ansteigen. Beim Aufstehen spürte ich größere Steine an meinen Händen, Wasser tropfte von meiner Jacke und von meinem Gesicht. Ich stand im Bach und war klitschnass. (Fortsetzung folgt…)

04. Juni 2014 von Herr Einzel
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