Von einem, der verschwand (Teil 5).

Klipp-Klapp ::

Das Rauschen des Baches war in Hörweite. In lichtspieltauglicher Waldläufermanier wollte ich das Objekt Rot aufspüren und dessen Gewohnheiten studieren. Daher wählte ich einen kleinen Umweg über ein unsteilen Hang, um meiner nun entfachten kleinen Manie neue Nahrung zu spendieren. Das Gefährt machte es sich solgleich an einem alternden Strauch gemütlich, ich tauchte in das Dickicht ein und schlich mich in seine Nähe. Gollum. Die optischen Eigenschaften der Farbe Rot machten mir seine Entdeckung leicht. Die Mütze war da, die Gestalt darunter und der Rucksack auf seinem Rücken. Ertappt. Der Mann saß gemütlich auf einem Stein am Bach, blickte auf die alte, vergessene Wassermühle, die sich in einiger Entfernung auf unwegsamen Gelände befand und schien seine Ruhe zu genießen. Ich rutschte wegen des schlammigen Waldbodens ein wenig den kleinen Hang hinab, fing mich aber sehr schnell wieder. Mein schneller, mittlerweile schon fast abgeklärter Blick zurück für diese Situationen ließ mich dann doch nochmal erneut zweifeln. Der Mann war nach wie vor da, allerdings stand er nun direkt vor der Mühle und schien diese zu bestaunen. Ein Gefühl der Leere überkam mich, dann gesellten sich Staunen und auch noch Hunger dazu. Nach kurzer Erholungsphase nahm ich diese temporären Existenzentfernungen sportlich an und entschloss mich, ihn diesbezüglich zu befragen.
wasserrad
Der Abstieg zum Bach hinunter gestaltete sich mitunter ein wenig herausfordernder als angenommen. Pflegeintensiv verdreckt an Ärmel und Schuh sollte ich ihm nun bald gegenübertreten. Noch ein Waldkreuz zur Rechten und den kleinen zugewucherten Pfad hinunter trennten mich von diesem Vorstellungsgespräch der etwas anderen Art. Homo Verschwindens  stand  immer noch vor dem Wasserrad der alten Mühle, mit seiner Mütze und seinem Rucksack. Er schien mich zu bemerken, schaute jedoch weiterhin milde auf das zerfallende Holz um ihn herum. Doch irgendetwas schien nicht stimmig zu sein. Mein Gefühl für die abbauende Harmonie der Ganzheit verstärkte sich stetig. Ich schaute hoch zu meinem pausierenden Gefährt, wieder zurück auf den Mann, entdeckte die Mühle und erfuhr mich selber durch die dornigen Brombeeren an meinem linken Beine. Alles schien in Ordnung. Doch mit einem Male erfuhr ich eine Art wechseljahreangemessene Hitzewallung mit Spitzentranspiration im oberen Rumpfbereich und erstarrte dann förmlich vor der Entdeckung, die alles Bisherige in den Schatten stellen sollte. Der Bach war weg! (Teil 6)

28. Mai 2014 von Herr Einzel
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