Von einem, der verschwand (Teil 4).

Neues Land ::

Das gelobte neue Land schien mir gar nicht so neu, vielmehr wirkte es gebraucht. Hier ein ausgetretener Schotterweg, da ein Mast für Messungen aller Art. Und natürlich eine einzelne Zauntür mitten im Dickicht. Neu. Von ihr angelockt, stieg ich vom Gefährt und begann mich durchs unterschätzt dichte Unterholz zu prügeln. Da es sich heute nicht wehrte kam ich mit ein paar Schrammen an Arm und Beinen davon. Die Zauntür stand fest verankert im Waldboden, ein angehöriger Zaun ließ sich nicht ausmachen.

Durch mein Elternhaus höflich geschult öffnete ich die Tür vorsichtig und trat ein. Der Boden schien mir nun ein wenig griffiger zu sein und das Klima gleich milder. Ein übersehbarer Kleinstweg machte mich neugierig. Ich folgte ihm bis ich an den Hangrand stieß. Ein wunderschöner Anblick voll romantischer Anmut drang in mein Sichtfeld wärmespendend ein und schien meinen alltagserprobten Körper zu entwichten. Voller Ehrfurcht vor Natur und Schönheit fiel ich in einen schier unendlichen Dämmerzustand.

Knack. Das Bersten des Holzes riss mich aus dem Tagtraum und ließ mein Blut augenblicklich gefrieren. Nochmal Knack, noch lauter, noch stärker. Wie angewurzelt stand ich da und wusste nicht mehr ein noch aus. Der totale Stillstand. Alles zerstört in Sekunden. Das schafft nicht mal Lord Waldemort. Aus meinem Augenwinkel linkerseits entdeckte ich Formen menschlichen Lebens, eines großen menschlichen Lebens und etwas rotes in Kopfhöhe. Immer noch angestrengt Blut pumpend und Ader pulsierend drehte ich mich um und erkannte nun mit geweiteten Pupillen Frau Schmiedt vom Hit aus der Käseabteilung.
walderbeere
Sie begrüßte mich überrascht, aber freundlich und hielt mir einen gut gefüllten Korb mit Walderdbeeren entgegen. Ich versuchte einige und teilte der Dame deren außerordentlichen Wohlgeschmack mit und erzählte ihr dabei beiläufig, einen Bekannten mit roter Mütze erwartet zu haben. Einen solchen, mit rotem Rucksack hatte sie vorhin unten am Waldrand an einem Bach, nahe einer alten Wassermühle, sitzen gesehen. Das entlockte mir folgenden Gedanken: Mal da, mal nicht, mal Hang, mal Bach – ich kann so nicht arbeiten. Nach meinen Berechnungen waren das etwa sechs Minuten feinster Downhill der gemäßigten Art. (Teil 5)

22. Mai 2014 von Herr Einzel
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