Flüstern im Gehölz.

Zugegeben, es scheint merkwürdig, hier etwas über ein Schwein zu lesen. Aber es ist nun mal geschehen und das ist gut so.
Eines Samstages, es mag gegen 16.54Uhr auf Pfad gewesen sein, erschruk ich. Hinter meinem geistigen Auge wandelte ein Schwein der Rasse ‚Mohrenköpfle‘ und suchte nach Essbarem. Das konnten nur die Zeichen der Erschöpfung sein. Doch dem war nicht so. Ich war nicht erschöpft, nur leicht ermattet und das Schwein war da. Es schaute mich an, kniepte mit einem Auge und sagte: „Werd‘ dasselbe wie ich“! Das tat ich nicht und sprang zuerst vom Gefährt und dann auf seinen Rücken. Es galoppierte mit mir unangestrengt durch die Flur und hielt erst abrupt inne, als es das Flüstern einiger Rehe vernahm. Aufgrund meiner leichten Schwerhörigkeit war mir dies jedoch versagt. Ich vernahm nur abgehacktes leises Rauschen, konnte jedoch die Bewegungen der Zungen und der zuckenden Halsmuskulatur deuten. Es ging unter anderem um mich und um etwas namens Sprall – einem storchähnlichem Vogel ohne sichtbarem Schnabel. Wie dem auch sein, es war wunderbar. Allein unter Tieren in der Wildnis und nicht im Zoo. Who dominates who. Die leichten Klicklaute der drei wandernden Ginstereulen, störten dieses friedliche Ambiente nicht. Sie kreuzten unseren Weg und widmeten sich ihrer innigen Freundschaft zu den Waldmäusen, die sie unaufhörlich aßen.
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Ich wurde langsam unsicher. Ein Blick auf das Smartphone genügte. Mit einem waldadequaten „Joh!“ der Freude nahm ich die Endergebnisse des Spieltages auf, während sich das Schwein ohne mich weiter bergauf machte. Sein Weg führte weiter hoch zum Berge Himmerich, mich verschlug es durchs Unterholz nach Südosten. Die mich umgebenden Pflanzen rochen frisch nach Grün, auch sanft nach Moder und luden zum Verweilen ein. Doch ich blieb nicht, sondern eilte zu meinem Gefährt zurück. Die Stimmen der nahenden Wandersleute sollte ich nicht mehr hören, zu sehr übermannte mich das Gefühl Teil eines ganz großen Ereignisses geworden zu sein.
Wir hatten schließlich klar gewonnen.

29. April 2014 von Herr Einzel
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